Internationaler Wettbewerb

Das Subjekt Animation Avantgarde

  • , Filmcasino 74 min

In diesem Programm geht es ums Individuelle: um subjektive Blicke, um Ängste und Wunschträume, um radikale Selbstdarstellung, um einsame Langzeitprojekte, um sexuelle Fantasien und genussvollen Tabubruch, um bedrückende Erinnerungen, um fantastische Abenteuer im Kopf und humorvolle Spielereien. Auffällig ist, dass sich zum Thema der Subjektivität einerseits viele zeichnerische Arbeiten finden und sich andererseits Geschlechterausgewogenheit wie von selbst ergibt. Somit findet sich hier eine reichhaltige Sammlung an Ein- und Ausblicken aus den unterschiedlichsten Perspektiven. (tr)

In Anwesenheit von: Dirk de Bruyn, Xenia Lesniewski, Sasha Svirsky, Nadezhda Svirskaia ("9 Ways to Draw a Person")

Mind Frame

US 2016 Kein Dialog/Liedtext 01 min Österreich-Premiere Regie Jake Fried

Tusche, Deckweiß, Kaffee, ein Malgrund. Das sind die reduzierten Mittel, mit denen Jake Fried seine psychedelischen einminütigen Bildtransformationen gestaltet. Die intensive und einsame Arbeit am Zeichentisch findet im Film sein Pendant: ein männliches Porträt und seine Hände geraten in Bewegung, werden überlagert, mehrfach vervielfältigt, in ihre Bestandteile Augen, Ohren, Finger aufgelöst und mit sich verändernden Räumen und Landschaften verwoben. (tr)

Mind Frame

Wall Dust

CN 2016 07 min Österreich-Premiere Regie Haiyang Wang

Wall Dust ist die Einzelbild-basierte Aufzeichnung eines über mehrere Monate andauernden Malprozesses, der bewusst nicht vorausgeplant wurde, sondern zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit haben sollte, der spontanen Eingebung oder auch dem Zufall zu folgen. Haiyang Wang spricht aus diesem Grund hier auch von „performance art“ und schließt mit Wall Dust eine eindrucksvolle Trilogie gemalter Filme ab, die er 2009 begonnen hatte. (tr)

Wall Dust

Dissociation

AU 2016 07 min 51 sec Österreich-Premiere Regie Dirk de Bruyn

Dirk de Bruyn nennt Das große Lalula, das erste Nonsense-Gedicht von Christian Morgenstern, als Inspirationsquelle für Dissociation. Viele verschiedene optische und akustische Elemente werden in Beziehung zueinander gesetzt: handbemalte und bekratzte 16-mm-Filmstreifen, extrem kontraststark digitalisiert, darüber am Film gemalte Buchstaben, digital eingesetzte Schriftfragmente, repetitive Toncollagen, Gesang, Klang, Musik – und ganz nah Dirks Stimme. (tr)

Produktion Dirk de Bruyn Ton Dirk de Bruyn Animation Dirk de Bruyn

Dissociation

Waraukumo

The Laughing Spider

JP 2016 Kein Dialog/Liedtext 07 min 24 sec Österreich-Premiere Regie Keiichi Tanaami

Keiichi Tanaamis umfangreiches Werk als bildender Künstler seit 1960 spiegelt sich ansatzweise und in stark komprimierter Form in diesem Animationsvideo wider. Inspiriert von Andy Warhol collagiert er unter anderem klassische japanische Kunst, amerikanische Pop-Art und Anklänge des europäischen Surrealismus. Seine jugendlichen Kriegserinnerungen sind omnipräsent, wenn Roy Lichtenstein‘ sche Kampfjets immer wieder den chaotischen Bilderfluss durchschneiden. (tr)

Animation CALF – Ryo Okawara, Kei Oyama

Waraukumo

The Empty

FR KR 2016 09 min 30 sec Österreich-Premiere Regie Dahee Jeong

„Der Raum beschützt mich, der Raum sperrt mich ein.“ Diese Worte des männlichen Voice-over zu Beginn deuten darauf hin, dass der Innenraum in diesem Film als Metapher verstanden werden kann für die menschliche Psyche, die sich von der Außenwelt abgrenzt. In diesem Raum sind Erfahrungen, Träume und Erinnerungen gespeichert wie die leeren Flecken an den Zimmerwänden, von denen schwarze Figuren anfangs die Möbelstücke fortgetragen haben. (tr)

Drehbuch Dahee Jeong Produktion Ron Dyens

The Empty

Dubioseninkasso

Dubious Encashment

DE 2017 11 min 30 sec Welt-Premiere Regie Xenia Lesniewski

Xenia Lesniewski präsentiert eine Collage der Extraklasse: Nichts kann man in diesem Film vermissen. Totale Überforderung neben Unterforderung, Provokation und Banalität. Eine Mickey-Mouse-Stimme führt die ZuschauerInnen durch ihre Welt, in der sie mit unterschiedlichsten Eindrücken und Statements konfrontiert werden. Videomaterial, Infografiken, grelle Farben, Amateurmaterial – das alles findet Eingang. Kann man nicht erzählen, muss man sehen. (wp)

Drehbuch Xenia Lesniewski Produktion Ingmar Böschen Schnitt Xenia Lesniewski Kamera Xenia Lesniewski DarstellerInnen/Mitwirkende Xenia Lesniewski, STRAND, Julia Rublow, Iovanna Lesniewski Ton Xenia Lesniewski Animation Xenia Lesniewski

Dubioseninkasso

Tough

GB 2016 04 min 49 sec Regie Jennifer Zheng

Die Grundlage für diesen dokumentarischen Animationsfilm liefert der Dialog zwischen einer in Großbritannien geborenen und aufgewachsenen Tochter und ihrer aus China stammenden Mutter. Diese erzählt von den Repressionen während der Kulturrevolution, während die mittlerweile erwachsene Tochter auf ihre Kindheit zurückblickt und Fragen der kulturellen Identität bespricht. Die sehr persönlichen Erfahrungen sind in einem künstlerisch besonders überzeugenden grafischen Stil umgesetzt. (tr)

Ton K. Preston Merkley Animation Jennifer Zheng

Tough Special Mention - BAFTA Awards

Natsu no gero wa fuyu no sakana

Summer's Puke is Winter's Delight

JP 2016 03 min Regie Sawako Kabuki

Sawako Kabuki, Enfant terrible im japanischen Animationsfilm, bricht wieder genussvoll Tabus, wenn sie sich diesmal auf die menschliche Ausscheidung des Sich-Übergebens fokussiert und in einem rasant geschnittenen, grellfarbigen Techno-Beat-Musikvideo auch sexuellen Fantasien Raum gibt. Ein Film, der "für kontroverse Reaktionen" und Diskussionen sorgen könnte, bislang aber international beachtlichen Erfolg hatte. (tr)

Drehbuch Sawako Kabuki Schnitt Sawako Kabuki Kamera Sawako Kabuki Ton Seinosuke Saeki Animation Sawako Kabuki

Natsu no gero wa fuyu no sakana

Spank Shot

US 2016 Kein Dialog/Liedtext 01 min 10 sec Welt-Premiere Regie Gina Kamentsky

Ein Hockey-Spiel bildet den Ausgangspunkt für diese rotoskopierten Zeichnungen und Malerei, direkt auf gefundenes 70-mm-Filmmaterial aufgetragen. Gina Kamentsky verdichtet die fragmentarisch übertragenen Figuren mit abstrakter Malerei und Buchstaben, eingerahmt in eine Komposition aus perkussiver Minimal Music und wiederkehrenden Zurufen des Publikums und des Schiedsrichters. (tr)

Drehbuch Gina Kamentsky Produktion Gina Kamentsky Schnitt Gina Kamentsky Ton Gina Kamentsky Animation Gina Kamentsky

Spank Shot

Figury niemozliwe i inne historie II

Impossible Figures and Other Stories II

PL 2016 Kein Dialog/Liedtext 15 min Regie Marta Pajek

Marta Pajek erzählt wieder in ihrem höchst persönlichen Stil von den Erfahrungen einer weiblichen Hauptfigur, die zwischen Realität und (alp-)traumhaften Verdichtungen pendelt, wenn sie herabfallende Eier vor dem Zerbrechen beschützen will, Räume zu Mustern transformieren, beim Öffnen des Schrankes ein lebloser übergroßer Männerkörper belastend auf ihre Schultern fällt oder am Ende ein schwarzes Monster mit löwenhaftem Knurren das gesamte Bild erobert. (tr)

Drehbuch Marta Pajek Produktion Piotr Szczepanowicz, Grzegorz Wacalwek Schnitt Marta Pajek Ton Michal Jankowski Animation Marta Pajek, Małgorzata Mianowska, Anna Shimanskaya, Jerzy Hojda, Aleksander Sobek, Miray Ozcan, Joanna Wapniewska, Piotr Szczepanowicz, Tomasz Popakul

Figury niemozliwe i inne historie II Best Animated Film - Krakow Film Festival

9 ways to draw a person

RU 2016 06 min 29 sec Österreich-Premiere Regie Sasha Svirsky

Mit ungestüm jugendlichem Tempo lässt Sasha Svirsky seine expressiven Zeichnungen, Grafiken und Fotocollagen, die stilistisch an den Zeitraum zwischen Dada und 1950er-Jahre erinnern, auf die Leinwand prasseln. Die Bilderflut wird diesmal durch die neun Kapitel klar strukturiert, das englischsprachige Voice-over liefert eine gute Portion Humor, und die schwungvolle und sehr schön instrumentierte Musik machen die Arbeit zu einem reinen Vergnügen. (tr)

Drehbuch Sasha Svirsky Produktion Nadezhda Svirskaia Ton Alexey Prosvirnin Animation Sasha Svirsky

9 ways to draw a person